MiniDefi Miniaturisierter Defibrillator mit telemedizinischer Anbindung

Motivation

Der plötzliche Herztod verursacht allein in Deutschland jährlich ca. 80.000 bis 100.000 Todesfälle. Langzeit-EKG-Untersuchungen von Patienten, die an einem plötzlichen Herztod verstorben sind, haben gezeigt, dass ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern dabei die häufigsten auslösenden Arrhythmien darstellen.

Ein hohes Risiko des plötzlichen Herztodes besteht vor allem bei der Herzinsuffizienz mit hochgradiger Einschränkung der Auswurffraktion der linken Herzkammer. Es gibt jedoch klinische Situationen, in denen das Risiko eines plötzlichen Herztodes deutlich erhöht ist, die Defibrillator-Implantation aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht empfohlen wird. Hierzu zählen vor allem Szenarien, bei denen der Patient im Rahmen einer Kardiomyopathie, eines akuten Herzinfarktes oder einer akuten Myokarditis eine passagere Herzinsuffizienz erleidet, die sich aber dann im weiteren Verlauf unter pharmakologischer Therapie wieder erholen kann.

Ziele

Im Rahmen des beantragten Projektes soll ein miniaturisierter am Körper tragbarer, automatischer, externer Defibrillator (MiniDefi) entwickelt werden. Dies stellt eine Behandlungsoption von Hochrisiko-Patienten dar, die andernfalls stationär überwacht werden müssten. Im Notfall können Patient und Ersthelfer direkt vor Ort telemedizinische aus dem anfahrenden Rettungswagen unterstützt werden. Neben der akuten Defibrillation bietet MiniDefi Funktionalität zur telemedizinischen Überwachung und Früherkennung lebensbedrohlicher Komplikationen, was zusätzlichen Schutz im häuslichen Umfeld sowie verbesserte Lebensqualität und ein erhöhtes Sicherheitsempfinden für die Patienten bietet.

Technologien

  • Erforschung von Algorithmen zur Notfallerkennung (Sturz und Krampfanfälle) optimiert für Low-Power-Einsatz in Verbindung mit dem minimalen Sensor-Setup des MiniDefi bei gleichzeitig hoher Zuverlässigkeit.
  • Algorithmen zur präventiven Erkennung gesundheitlicher Zustandsverschlechterung erforschen (EKG-Artefaktbereinigung, Herzinsuffizienzbewertung, Atmungsüberwachung). Bereits vorhanden Ansätze werden weiter erforscht, insbesondere fokussiert auf die Übertragbarkeit des Sensorsetups mit Hinblick auf die Miniaturisierung (andere Sensoren / abweichende Positionierung).
  • Standardisierung von Kommunikation zwischen am Körper getragenen Medizinprodukten, der Einsatzleitstelle (112) und den beteiligten Kliniken (anzufahrendes Notfall-Hospital und die betreuende Klinik des Patienten) im Stile eines IHE-Profils. Ziel ist vorhanden Standards zu kombinieren, um den Anwendungsfall der Notfallbetreuung eines Patienten digital zu unterstützen.
  • Damit einher geht die digitale Konzeption telemedizinischer Notfallversorung (Rettungskette) in Verbindung mit präventiver Patientenüberwachung, so dass die neue Versorgungsform möglichst reibungslos in den Arbeitsalltag integriert werden kann.
  • Technische Prüfung und prototypische Umsetzung eines Pay-per-Use-Konzeptes für medizinische Algorithmen zur Nutzung durch Drittanbieter. Entscheidungsunterstützung oder Onlineanalyse-Algorithmen könnten anderen Herstellern online verfügbar gemacht werden und je nach Nutzungsintensität in Rechnung gestellt werden. Dies würde anderen Anbietern erlauben in Lizenz auch selten eingesetzte CPR-Algorithmen anzuwenden, ohne selbst forschen zu müssen.
Personen

Projektleitung Extern

Dr. Tobias Tröger (Corscience GmbH & Co. KG)

Wissenschaftliche Leitung

Partner
Corscience GmbH & Co. KG
www.corscience.de
Schüchtermann-Schiller’sche Kliniken Bad Rothenfelde GmbH & Co. KG
www.schuechtermann-klinik.de
Tech2go Mobile Systems GmbH
www.tech2go.de
MiniDefi

Laufzeit

Start: 01.08.2019
Ende: 31.07.2022

Fördermittelgeber

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