IHE Integrating the Health Care Enterprise

Ziele

Integrating the Healthcare Enterprise (IHE) ist eine Initiative, in deren Rahmen Ärzte, Medizinphysiker, Verwaltungsfachleute, Informatiker sowie Vertreter der medizintechnischen Industrie in einem kontinuierlichen Prozess zusammenarbeiten, um eine Verbesserung des Informationsaustauschs zwischen den verschiedenen im Gesundheitswesen eingesetzten Computersystemen zu erreichen. In den modernen Industriegesellschaften ist ein exponentielles Wachstum des medizinischen Wissens zu beobachten. Nur eine vollständige Integration der Informationssysteme in einer Einrichtung des Gesundheitswesens erlaubt es, diese Ressourcen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung auszuschöpfen. Die Systeme müssen in der Lage sein, dem behandelnden Arzt bei Bedarf alle relevanten Informationen zu einem Patienten zu liefern. Das Ziel der IHE-Initiative ist es, eine Integration der informationsverarbeitenden Systeme im Gesundheitswesen voranzutreiben. Zu diesem Zweck werden typische Arbeitsabläufe im Gesundheitswesen modelliert und die zugehörigen Transaktionen zwischen medizinischen Computersystemen unter Verwendung international akzeptierter Standards festgelegt.

 

IHE wurde vor einigen Jahren von der Radiological Society of North America (RSNA) und der Healthcare Information and Management Systems Society (HIMSS), einer Vereinigung von Herstellern medizinischer Informationssysteme, in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen, hat sich mittlerweile aber in eine multinationale Initiative entwickelt, in der auch die Besonderheiten des Gesundheitswesens vieler europäischer Staaten sowie die Anforderungen des japanischen Gesundheitswesens Berücksichtigung finden. Die Einführung von IHE in Europa ist eine besondere Herausforderung, denn das Gesundheitswesen ist auf nationaler Basis organisiert und variiert erheblich von Land zu Land, auch zwischen den EU-Mitgliedsstaaten. Hinzu kommt, dass die Hersteller von Krankenhausinformationssystemen und Abteilungsinformationssystemen in Europa häufig kleinere Firmen sind, die mit einem hochspezialisierten Produkt nur auf einem einzigen nationalen Markt präsent sind. Dennoch ähneln sich die IT-Integrationsprobleme sehr, die man in Einrichtungen des Gesundheitswesens quer durch Europa beobachten kann, so dass die Entwicklung ähnlicher Lösungen naheliegt. Der Einsatz lokaler Lösungen für Integrationsprobleme sollte zweifellos vermieden werden, wenn es globale Lösungsansätze gibt, die ggf. mit geringen Änderungen eingesetzt werden können. Diese seit 1999 zwischen Industrie und Anwendern aus dem Gesundheitswesen diskutierten Überlegungen führten zur Gründung der IHE Europe-Initiative im Jahre 2000. Die Träger der Initiative, das "European Coordination Committee of the Radiological and Electromedical Industries" (COCIR) und die "European Association of Radiology" (EAR), haben für die Durchführung der IHE-Aktivitäten in Europa eine finanzielle Unterstützung der Europäischen Union bewilligt bekommen.

 

Ein Kernelement der IHE-Initiative ist das sogenannte "Technical Framework", eine umfangreiche, strukturierte technische Spezifikation zur Realisierung der im Rahmen der Initiative definierten Integrationsmöglichkeiten. Dieses Dokument beschreibt standard-basierte Transaktionen zwischen IT-Systemen, die eine Unterstützung bestimmter Workflow- und Integrationsszenarien ermöglichen. Transaktionen beschreiben den nachrichtenbasierten Informationsaustausch zwischen IT-Systemen unter Verwendung etablierter Standards wie HL7 und DICOM. Jede Transaktion wird durch Verweis auf einen bestimmten Standard und zusätzlichen Detailinformationen, wie etwa dem klinischen Anwendungsfall ("Use Case"), definiert, um eine präzisere Spezifikation und damit eine bessere Interoperabilität zwischen Systemen zu erreichen. Das jährliche "Verbindungstest-Marathon" ("Connect-a-thon", kurz für "Connection Testing Marathon") bietet Herstellern eine Testplattform zur Überprüfung der Interoperabilität ihrer Produkte auf der Basis des IHE Technical Framework. Alle teilnehmenden Systeme werden zu einem gemeinsamen Netzwerk zusammengeschaltet, über welches die verschiedenen IHE-Transaktionen eine ganze Woche lang zwischen den Technikern der teilnehmenden Firmen getestet werden können. Dabei können Interoperabilitätsprobleme im Detail untersucht und häufig sogar bereits während des Connect-a-thons gelöst werden. Diese Veranstaltung wird von einem Team von technischen Managern organisiert und überwacht. In Europa besteht dieses Team aus den Managern, die von den verschiedenen nationalen Komitees ernannt werden, unter der Leitung des europäischen technischen Managers. Um das Connect-a-thon erfolgreich abzuschließen, muss jedes System eine wohldefinierte Menge an IHE-Transaktionen korrekt ausführen, die sich aus den IHE-Integrationsprofilen ergibt, die das System laut seiner Dokumentation unterstützt. Erfolgreiche Teilnahme eines Systems am Connect-a-thon ist auch die Voraussetzung für die Teilnahme an einer der öffentlichen IHE-Demonstrationen.

 

OFFIS stellt den technischen Manager für das deutsche IHE-Komitee, das von der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) und dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) getragen wird, und unterstützt damit die IHE Europe-Initiative. Der technische Manager unterstützt die teilnehmenden Firmen bei der Umsetzung der technischen Spezifikationen der IHE und bei der Vorbereitung auf das Connect-a-thon. Er arbeitet mit dem europäischen und den nationalen technischen Managern (Frankreich, Italien, Großbritannien) zusammen, um auf dem europäischen Connect-a-thon die Vielzahl IHE-konformer Systeme auf ihre Interoperabilität hin zu prüfen. Außerdem unterstützt er die Vorbereitung und Durchführung der öffentlichen Demonstrationen in Deutschland wie etwa den IHE-Stand auf dem Deutschen Röntgenkongress 2002 und 2003.

 

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Das "Technische Rahmenwerk IT-Infrastruktur" der IHE-Initiative – ein Werkzeug aus der Praxis fuer die Praxis

Schütze, Bernd and Eichelberg, Marco and Wein, Berthold and Kauer, Thomas and Mildenberger, Peter; mdi Forum der Medizin-Dokumentation und Medizin-Informatik; 009 / 2008

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Start: 01.11.2001
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