haptik Handelbarkeit von physischen Gütern durch Token in Konsortialnetzwerken

Motivation

Da jedes Jahr Millionen Tonnen Waren auf den Weltmeeren verschifft werden, ist die moderne Handelsschifffahrt durch die Verwendung vieler verschiedener Dokumente gekennzeichnet. Die Dokumentationsanforderungen an Bord eines Handelsschiffes reichen von der Führung von Schiffszertifikaten und der Erstellung von Schiffslogbüchern bis hin zu den für den eigentlichen Transport erforderlichen Transportdokumenten.

Das Bill of Lading (B/L) ist nach wie vor das wichtigste Dokument im Güterverkehrssektor. Es erfüllt mehrere Funktionen: Zum einen beweist es, dass eine Ware vom Frachtführer in der beschriebenen Form verladen worden ist. Zum anderen bescheinigt es die Verpflichtung, die Ware am Bestimmungsort abzuliefern und dem Empfänger zu übergeben. Darüber hinaus kann die Übertragung des Eigentums an den im B/L spezifizierten Gütern durch die Übertragung des B/L (Orderpapiere) ersetzt werden.

Bisher war es notwendig, das B/L in Papierform zu übergeben, damit die am Transportprozess beteiligten Parteien die Dokumente prüfen und verifizieren konnten. Dieser Prozess erfordert einen immensen Aufwand an Zeit und Geld.

 

Ziele

Der deutsche Gesetzgeber hat die Notwendigkeit eines digitalen B/L erkannt. Mit der Einführung des Sektors 516, Absatz 2 des deutschen Handelsgesetzbuches sind digitale Aufzeichnungen des B/L gleichwertig zu einem papierbasierten B/L geworden. Es wird untersucht, wie ein digitales B/L aussehen könnte, um die Anforderungen der bisherigen Frachtdokumente zu erfüllen. Diese Aufgabe wollen die Forscher*innen mit der Blockchain-Technologie lösen, bei der Datenbanken durch ein kryptographisches Verfahren erzeugt werden.

Der gespeicherte Inhalt kann nicht manipuliert werden, auch wenn verschiedene Benutzer*innen darauf zugreifen. Das digitale B/L, auch Token B/L genannt, kann nach Ansicht von Fachleuten für die Blockchain-Technologie innerhalb von Sekunden per Mausklick erstellt, übertragen und auf Richtigkeit und Genauigkeit überprüft werden. Darüber hinaus wird durch den Einsatz des Token B/L die Übertragung erheblich beschleunigt, was zu enormen Einsparungen in der Logistikbranche führen könnte. Gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise in der Speditionsbranche sind die Unternehmen auf weitere Kosteneinsparungen angewiesen.

Zentrales Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer rechtssicheren Plattform auf Basis der Blockchain-Technologie, um die Erstellung und den Handel mit digitalen Dokumenten wie Token B/Ls zu ermöglichen. Die verteilte Struktur schafft Vertrauen und Transparenz. Es wird erforscht, wie eine sichere Authentifizierung der Beteiligten auf der Basis eines globalen föderalen und dezentralen Identitätsmanagements ermöglicht werden kann.

Die permanente rechtliche Unterstützung des Projekts stellt sicher, dass das Token B/L stets den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Damit leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Blockchain-Strategie der Bundesregierung. Durch den Einsatz des Token B/L entfällt die zeitaufwendige papierbasierte Dokumentation des Transports sowie die kostenintensive manuelle Dokumentenprüfung. Container, für die ein Token B/L ausgestellt wird, können bis zu 5 Tage schneller wieder in Umlauf gebracht werden.

Haptik wird von der Universität Oldenburg koordiniert. OFFIS übernimmt als Projektpartner den Teil, eine sichere Authentifizierung der Beteiligten auf der Basis eines global föderierten und dezentralisierten Identitätsmanagements zu ermöglichen. Darüber hinaus leitet OFFIS die Integration von zu entwickelnden technischen Plattformdiensten in die Maritime Connectivity Platform (MCP), um eine Interoperabilität zwischen der geplanten Plattform und den gemeinsamen maritimen Systemen an Bord eines Schiffes und an Land zu erreichen. Dazu gehören auch IT-Sicherheitsaspekte wie Verschlüsselung. In diesem Projekt wird die OFFIS-Forschungsplattform eMIR genutzt, um den Einsatz maritimer Systeme an Bord eines Schiffes über die MCP zu testen und zu demonstrieren.

Das Projekt wird durch das BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) gefördert.

Personen
Partner
Interdisziplinäres Zentrum für Recht der Informationsgesellschaft (ZRI)
uol.de/zri
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
www.uni-oldenburg.de
Carl von Ossietzky Universität, Abteilung Wirtschaftsinformatik, Very Large Business Applications (VLBA)
uol.de/vlba
haptik

Laufzeit

Start: 01.01.2019
Ende: 31.12.2022

Website des Projekts

Fördermittelgeber

FKZ: 01MT19001C