Unfallvermeidung dank kooperativer Schiffsführung

15.11.2013 Pressemitteilung

Start des BMWi Projektes „COSINUS“ für die Erforschung der Integration land- und bordseitiger Navigationssysteme

Die Integration maritimer Verkehrssicherheitssysteme an Land und an Bord – unter Einbeziehung weiterer dezentraler Datenquellen - ermöglicht die Erzeugung umfassender, zuverlässiger maritimer Verkehrslagebilder. Diese sind die Grundlage für die sichere, kooperative Schiffsführung durch rechtzeitiges Erkennen von Gefahren in küstennahen Gewässern sowie für koordinierte Kooperation und Entscheidungsunter-stützung an Land und an Bord zur Unfallvermeidung. Im vom BMWi geförderten Forschungsprojekt COSINUS (Kooperative Schiffsführung für Nautische Sicherheit) werden ganzheitliche Konzepte für land- und schiffsgebundene Navigations- und Informationssysteme erforscht, um den Schutz von Besatzungen, Passagieren, Schiffen, maritimen Infrastrukturen und maritimen Logistikprozessen nachhaltig zu gewährleisten.

Die Schiffsführung an Bord und die Überwachung an Land werden heute durch technische Systeme unterstützt, die nicht eng miteinander kooperieren. Eine solche Verbindung kann einen wesentlichen Beitrag zur sicheren Schiffsführung leisten. Daher adressiert COSINUS die Integration von ECDIS an Bord des Schiffes und VTS-Systemen in der Überwachung an Land mit den Schwerpunkten Situationserkennung und Manöverplanung zur Erhöhung der nautischen Sicherheit in der weltweit meist befahrenen Wasserstraße in der Deutschen Bucht. Die Verbindung der Informationen an Land und an Bord bezieht dezentrale, hydrologische, meteorologische und bathymetrische Datenquellen mit ein. Ein gemeinsames Lagebild wird die Schiffsführung und die Überwachung an Land durch verbesserte Informationen zu Erkennung kritischer Situationen und vorausschauender Manöverplanung unterstützen. Eine situationsangepasste Visualisierung des gemeinsamen Lagebildes unterstützt die Schiffsführung und die Überwachung an Land darin, auf kritische Situationen und Manöver rechtzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

Das Projekt untersucht in den nächsten zwei Jahren grundlegende Aspekte der Integration der Navigationssysteme an Bord (ECDIS) und der Überwachungssysteme an Land (VTS) wie Datenschnittstellen zwischen den Systeme, die Verbindung der Daten an Bord und an Land, die Konsistenzprüfungen von verteilten Daten und Ermittlung von Qualitätsmetriken, Standardkonformität. Die entwickelte Integration auf den verschiedenen Systemebenen von der Kommunikation bis hin zur situationsangepassten Nutzungsschnittstelle liefert hoch wettbewerbsfähige Innovationen und Verwertungsoptionen für die beteiligten Industriepartner im Bereich kooperativer Schiffsführung. Mit dem geplanten elektronischen Datenaustausch zwischen Schiff und Land wird dem "e-Navigation"-Konzept der internationalen Seefahrt-Organisationen IMO und IALA Rechnung getragen. Damit werden die beteiligten Navigations- und VTS-Systeme auf zukünftige Standards vorbereitet.

Das Projekt gibt wesentliche Impulse für neue Produkte und Dienstleistungen, die zentral für die Verkehrssicherheit im maritimen Bereich sind – national, EU-weit und auch weltweit.

Die Leistungsfähigkeit des zu entwickelnden Funktionsmusters wird in enger Zusammenarbeit mit Nutzern in der deutschen Bucht unter Verwendung der Forschungsplattform eMIR (eMaritime Integrated Research Plattform) evaluiert. Das COSINUS Projekt bündelt mit SIGNALIS, Weltmarktführer für VTS Systeme, und Raytheon Anschütz, weltweit führender Anbieter von ECDIS, RADAR und Conning-Systemen, die Kompetenzen von zwei führenden Unternehmen der maritimen Wirtschaft mit der Technologiekompetenz des Informatikinstituts OFFIS sowie der nautischen und simulationstechnischen Kompetenz des Bereichs Seefahrt der Hochschule Wismar, um innovative, integrierte Lösungen für Navigation und Verkehrsleitung zu erforschen und exemplarisch zu realisieren. „Die Industriepartner erwarten“, so Dr. Thomas Lehmann, Projektleiter bei Raytheon Anschütz, „als Ergebnis des Forschungsvorhabens wesentliche Impulse für die Konzeption und Entwicklung von hoch wettbewerbsfähigen integrierten Verkehrsleit- und Navigationssystemen sowie neuen Dienstleistungen für die Verkehrs-, Schiffs- und Offshoresicherheit in küstennahen Gewässern“.

Ansprechpartner für Rückfragen der Redaktion:

Prof. Dr.-Ing. Axel Hahn
Bereichsvorstand Verkehr
Tel.: 0441/798-4472
Mail: hahn(at)offis.de