Starke Ideen, starke Mädchen: OFFIS vergibt erstmals Preis für MINT-Förderung Am 18. Juni 2026 war es soweit: Im Rahmen des Digitopias Forums vergab das OFFIS – Institut für Informatik gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde und Förderer des OFFIS e.V. erstmals den Preis „MINT stärken. Mädchen fördern. Zukunft gestalten." Drei Projekte aus der Region überzeugten die Jury mit Ansätzen, die zeigen, wie Informatik und Technik wirklich bei Mädchen und jungen Frauen ankommen können – nicht durch Überzeugungsarbeit, sondern durch echte Relevanz.

22.06.2026 Pressemitteilung

Alle Preisträgerinnen und Preisträger des MINT-Wettbewerbs am OFFIS. © OFFIS - Institut für Informatik | Melinda Helena Clabes

Der 1. Platz ging an Operation Perlman – Oldenburger Computer-Museum. Den Preis entgegengenommen haben vlnr: Volker Asche, Sonja Degenhard, Thiemo Eddiks © OFFIS - Institut für Informatik | Melinda Helena Clabes

Der 2. Platz ging an IRIS – Initiative Pear2, Oldenburg. Entgegengenommen wurde der Preis von vlnr: Prof. Dr. Ira Diethelm, Tim Kerting, Dr. Mareike Daeglau und Kevin Brumme. © OFFIS - Institut für Informatik | Melinda Helena Clabes

Der 3. Platz ging an Mädchen macht MINT AG / Tech Girls Nordenham. Entgegengenommen wurde der Preis von vlnr: Özge Güldirim und Peter Siefken. © OFFIS - Institut für Informatik | Melinda Helena Clabes

Der Wettbewerb: Mehr als ein Preis

Hinter dem Wettbewerb steht eine klare These: Klassische MINT-Formate erreichen Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren oft nicht – nicht, weil das Interesse fehlt, sondern weil die Angebote an ihrer Lebenswelt vorbeigehen. Der von der Gesellschaft der Freunde und Förderer des OFFIS e.V. finanzierte Preis sucht deshalb gezielt nach neuen Konzepten, die Selbstwirksamkeit erhöhen, weibliche Vorbilder sichtbar machen und Mädchen als aktive Gestalterinnen begreifen – nicht als passive Zielgruppe. Insgesamt wurden 10.000 Euro Preisgeld vergeben. Die Jury bewertete die Einreichungen nach den Kriterien neue Ansätze, Partizipation, emotionale Relevanz und Umsetzbarkeit. 

1. Platz (5.000 €): Operation Perlman – Oldenburger Computer-Museum

Das Oldenburger Computer-Museum schickt Mädchen auf eine Agentinnenmission. Im Workshop „Operation Perlman" dreht sich alles um Verschlüsselung, digitale Sicherheit und Medienkompetenz – Themen, die mitten in der Lebenswirklichkeit junger Frauen liegen. Den Preis entgegengenommen haben Sonja Degenhard, Thiemo Eddiks und Volker Asche.

Was das Projekt heraushebt, ist die Verbindung von Informatikgeschichte und Gegenwart: Die Teilnehmerinnen bauen ihre eigene Pringles-Enigma, setzen sich mit historischen Verschlüsselungsverfahren auseinander und begegnen dabei Radia Perlman – einer der einflussreichsten Informatikerinnen der Geschichte – als greifbarem weiblichem Vorbild. Besonders klug: Teilnehmerinnen werden im weiteren Verlauf selbst zu Mentorinnen und entwickeln den Workshop partizipativ weiter. Ein Ansatz, der nachhaltig wirkt, weil er Mädchen nicht nur erreicht, sondern langfristig einbindet. 

2. Platz (3.000 €): IRIS – Initiative Pear2, Oldenburg

Die Initiative Pear2, getragen von Kevin Brumme, Dr. Mareike Daeglau und Tim Kerting, adressiert mit IRIS (Informatik, Reverse, Identität, Selbstbestimmung) ein Thema, das Jugendliche täglich beschäftigt: Deepfakes, Bildmanipulation und der Schutz der eigenen digitalen Identität. Den Preis nahmen Mareike Daeglau, Tim Kerting und Kevin Brumme entgegen.

Das Projekt, wissenschaftlich begleitet von der Universität Oldenburg (Didaktik der Informatik, Prof. Dr. Ira Diethelm) und pilotiert an der Freien Schule Oldenburg, verbindet technische Inhalte mit Persönlichkeitsrechten und Empowerment. Informatik wird hier nicht als abstraktes Schulfach vermittelt, sondern als Werkzeug für informierte, selbstbestimmte Entscheidungen im digitalen Raum – ein Ansatz, der Mädchen genau dort abholt, wo sie stehen.

3. Platz (2.000 €): Mädchen macht MINT AG / Tech Girls Nordenham

Das Innovationszentrum für Nachhaltigkeit und Produktionstechnologie GmbH (INP) in Kooperation mit der OBS1 Nordenham beweist: MINT-Förderung benötigt keine großen Bühnen. Özge Güldirim und Peter Siefken nahmen den Preis für ein Projekt entgegen, das im schulischen Alltag verankert ist – niedrigschwellig, praxisnah und langfristig angelegt.

Mädchen experimentieren, tüfteln, scheitern und bauen weiter – und erleben dabei, dass Technik kein fremdes Terrain ist. Das Projekt investiert nicht in einmalige Erlebnisse, sondern in den langfristigen Aufbau einer MINT-Community in Nordenham samt weiblicher Vorbilder aus der Region. Genau das ist nachhaltige, strukturelle Förderung.

Ein Signal für die Region

Drei Ansätze, eine Erkenntnis: MINT-Förderung für Mädchen funktioniert, wenn sie an deren Alltag anknüpft. Mädchen als Gestalterinnen zu behandeln, macht den Unterschied.

OFFIS gratuliert allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich und dankt der Jury sowie der der Gesellschaft der Freunde und Förderer des OFFIS e.V. für ihr Engagement. Die ausgezeichneten Projekte sind Impulsgeber – für die Region, für die Bildungslandschaft und für alle, die MINT anders denken wollen.

Der Wettbewerb „MINT stärken. Mädchen fördern. Zukunft gestalten." ist eine Initiative des OFFIS e.V. – Institut für Informatik, finanziert durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer des OFFIS e.V.
 

Die Jury

Prof. Dr. Susanne Boll ist Professorin für Medieninformatik an der Universität Oldenburg und Vorstandsmitglied am OFFIS. Sie ist Expertin für Mensch-Technik-Interaktion und u. a. Kernmitglied der Jury für den Helene-Lange-Preis.

Karin Katerbau ist Vorstandsvorsitzende der OLB-Stiftung und war viele Jahre Mitglied des Vorstands (CFO/COO) der Oldenburgischen Landesbank AG.

Ann-Kathrin Sobeck-Martens ist Personalleiterin am OFFIS. Sie engagiert sich intensiv in Frauennetzwerken und für das Thema „Women in Tech".

Jasmin Fresemann ist Verbundkoordinatorin für das AHOI_MINT Cluster NordWest im Schlauen Haus Oldenburg und fördert die MINT-Bildung in der Region aktiv.

Fynn Horstmannshoff ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Transfermanagement bei OFFIS und betreut Projekte an der Schnittstelle von Digitalisierung, Gesellschaft und Verwaltung.