CITAH+ startet durch: Europäischer Digital Innovation Hub aus Oldenburg geht in die zweite Förderphase Das Oldenburger Informatikforschungsinstitut OFFIS koordiniert erneut einen renommierten Europäischen Digital Innovation Hubs Europas. CITAH+, die Fortsetzung des erfolgreichen European Digital Innovation Hub CITAH, wird über drei weitere Jahre kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen in Niedersachsen und darüber hinaus auf ihrem Weg in die digitale Zukunft begleiten.

05.06.2026 Gesundheit

Das Kürzel steht für „Cross-Industry Transformation in Agriculture, Health and Beyond" – und genau darum geht es: CITAH+ bündelt die Kräfte führender Forschungseinrichtungen und Praxispartner aus Nordwestdeutschland, um die Digitalisierung branchenübergreifend voranzutreiben. Koordiniert wird das Projekt vom OFFIS – Institut für Informatik in Oldenburg, das als Forschungsinstitut des Landes Niedersachsen seit Jahrzehnten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft arbeitet

 Eine Erfolgsgeschichte wird fortgeschrieben

Die erste Förderphase von CITAH hat eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist: In rund zwei Jahren wurden Gespräche mit mehr als 75 Unternehmen sowie über zehn öffentlichen Einrichtungen geführt. Mehr als 40 Organisationen erhielten individuelle Dienstleistungen im Gesamtwert von über 3,3 Millionen Euro. Über 1.400 Menschen besuchten die öffentlichen Veranstaltungen des Hubs, weitere 2.700 erkundeten die Living Labs in Führungen. Mehr als 600 Teilnehmende aus Partnerunternehmen nahmen an Trainings- und Qualifizierungsmaßnahmen teil.

„Mit CITAH+ können wir nahtlos dort weitermachen, wo wir aufgehört haben – und das mit dem gesammelten Wissen aus drei Jahren intensiver Praxisarbeit", betont Prof. Dr.-Ing. Andreas Hein, wissenschaftlicher Koordinator und OFFIS-Vorstandsmitglied. „Unsere Prozesse sind eingespielt, unser Netzwerk ist gewachsen, und die Nachfrage aus der Region ist so groß wie nie zuvor."

Digitalisierung, die ankommt: Ein Beispiel aus der Praxis

Wie wirksam die Unterstützung durch CITAH in der Praxis ist, zeigt das Beispiel des SKFM Papenburg e.V.: Der Betreuungsverein begleitet mehr als 350 Menschen in rechtlichen Betreuungsverhältnissen und verarbeitet täglich eine Vielzahl eingehender Dokumente – bislang ein rein manueller, zeitaufwendiger Prozess. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden und dem IT-Dienstleister des Vereins führte OFFIS im Rahmen von CITAH ein Open-Source-Dokumentenmanagementsystem ein, passte es in gemeinsamen Workshops an die spezifischen Arbeitsabläufe an und setzte alle Konfigurationen datenschutzkonform und revisionssicher um. Ergänzende Python-Skripte ermöglichen es dem Verein, das System künftig eigenständig zu warten und weiterzuentwickeln.

Holger Gerdes, Geschäftsführer des SKFM, beschreibt die Ausgangslage nüchtern: „Als gemeinnütziger Verein haben wir nur wenige Ressourcen für Digitalisierung – aber genau das müssen wir angehen. Mit OFFIS haben wir einen Partner gefunden, der schnell verstanden hat, wie wir funktionieren und wo die größten Potenziale liegen." Das Ergebnis ist konkret spürbar: Eingehende Dokumente werden heute automatisch benannt und den zuständigen Betreuerinnen und Betreuern direkt zugeordnet – eine echte Entlastung im Alltag. Für Gerdes steht das Fazit fest: „Das maßgeschneiderte Dokumentenmanagementsystem und paperless NGX sind Raketenantrieb für unseren Verein."

Was CITAH+ konkret bietet

Das Leistungsportfolio von CITAH+ umfasst vier strategische Säulen:

  1. Training und Kompetenzentwicklung: Spezifische Schulungen und Wissenstransfer zu Künstlicher Intelligenz, Smart Farming, Interoperabilität und der Europäischen KI-Verordnung– kostenlos für Unternehmen und öffentliche Stellen.

  2. Test-before-Invest-Projekte (Testbeds): Unternehmen können gemeinsam mit Experten aus dem CITAH+-Team digitale Lösungen und Technologien erproben, bevor sie investieren. In den kommenden drei Jahren sind rund 24 Pilotprojekte in KI-Testbeds geplant.

  3. Beratung zu Finanzierungsmöglichkeiten: Individuelle Beratung zu regionalen, nationalen und europäischen Förderprogrammen für Digitalisierungsvorhaben.

  4. Vernetzungsveranstaltungen: Netzwerk- und Informationsevents sowie Laborführungen.

Darüber hinaus fungiert CITAH+ als AI Help Desk: Unternehmen erhalten hier eine erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um den praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Anforderungen der KI-Verordnung.

Starkes Konsortium, starke Region

CITAH+ vereint ein hochkarätiges Konsortium: Neben dem koordinierenden OFFIS sind das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Osnabrück, die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die Universität Osnabrück, das AgroTech Valley Forum (AVF) sowie neu das Innovationsquartier Oldenburg (IQON) beteiligt. IQON wurde eigens mit dem Ziel gegründet, den Wissenstransfer aus der Forschung in die Wirtschaft zu beschleunigen, ein klares Signal für die Aufbruchstimmung in der Region.

Die wirtschaftliche Bedeutung für Niedersachsen ist erheblich: Die Weser-Ems-Region, Heimat des Hubs, ist bundesweit bekannt für ihre starke Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie eine dynamisch wachsende Gesundheitsbranche. CITAH+ vom Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium des Landes Niedersachsen unterstützt. Das Projekt stärkt damit gezielt den Innovationsstandort Nordwestdeutschland und baut auf einem engen Netzwerk mit Industrie- und Handelskammern, regionalen Wirtschaftsförderern, Inkubatoren und angrenzenden europäischen EDIHs auf.

 

Ihr Ansprechpartner für redaktionelle Rückfragen der Redaktion:

Dr. Marco Eichelberg
Gruppenleiter Automatisierungs- und Integrationstechnik 
OFFIS - Institut für Informatik | FuE Bereich Gesundheit  
Phone: +49 441 9722-147 
E-Mail: eichelberg(at)offis.de


Über CITAH+

CITAH+ ist das Nachfolgeprojekt von CITAH (2023 – 2026) und wird ebenso aus den strategischen Finanzmitteln des EU-Programms „Digitales Europa“ mit 1,7  Mio. Euro über 3 Jahre gefördert. Geleitet wird CITAH+ vom Informatikinstitut OFFIS in Oldenburg. Die Arbeit erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem DFKI-Forschungsbereich Smart Enterprise Engineering in Osnabrück, den Universitäten Oldenburg und Osnabrück, dem Kompetenzzentrum Gesundheitswirtschaft (GewiNet), dem Agrotech Valley Forum und dem Innovationsquartier Oldenburg (IQON). 

https://citah.de/