Studienergebnisse: Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in Werften

15.05.2018 Verkehr

Wie gut sind die Werften in Norddeutschland in punkto Digitalisierung aufgestellt? Das Maritime Cluster Norddeutschland hat eine Studie zur digitalen Transformation im  Schiffbau veröffentlicht. Zu den Inhalten gehören unter anderem disruptive Innovationen und neue Geschäftsmodelle. Zudem gibt die Studie Einblicke in den Digitalisierungsgrad der befragten Werften in den Bereichen Konstruktions- und Fertigungsprozesse, Logistikprozesse und Bauteilzulieferung, Kunden und Dokumentation, Verwaltung und Organisation sowie IT-Infrastruktur, Sicherheit und Datenhaltung.

Fragmentierte Informationen innerhalb der Wertschöpfungskette

Viele Werften sehen auf Projektmanagementebene erhebliches Potenzial in der Digitalisierung. Die erforderlichen Informationen und Daten sind oftmals vorhanden, um Prozesse und Ressourcen zu optimieren, Fehler zu vermeiden oder mit Kennzahlen eine bessere Planung zu realisieren. Informationen liegen jedoch teils fragmentiert und verteilt über alle Beteiligten der Wertschöpfungskette vor, sodass nicht ein gemeinsamer aktueller Status des „Projektes“ abgebildet werden kann. Daher können oft nur geschätzte oder ungenaue Angebote abgegeben werden. Dies trifft nicht nur auf externe Partner zu, sondern auch auf interne Prozesse. Die Digitalisierung wird als unterstützendes Werkzeug angesehen, um Informationen zu vernetzen. Nach Einschätzung der befragten Werften ist das Ziel einer digitalen Planungs- und Informationsaustauschplattform unter Einbindung aller beteiligten Partner realistisch in den nächsten fünf Jahren zu erreichen.

Auf Daten basierende Transparenz

Als größte Chance der Digitalisierung im Bezug zum Kunden und der Dokumentation der geleisteten Arbeit sehen alle befragten Werften die auf Daten basierende gewonnene Transparenz. Derzeit fehlt es oft an einer zusammenhängenden Datenbasis, um eine Ausschreibung mit einer soliden Angebotskalkulation zu gewinnen. Oftmals stehen im Nachhinein Kostenanpassungen während der Projektabarbeitung an, die für alle Beteiligten unzufriedenstellend sind. Im internationalen Konkurrenzdruck bietet nur eine solide und transparente Kalkulation die Möglichkeit, sich Dumpingpreisen entgegenzusetzen und ein professionelles und vertrauliches Verhältnis zwischen Reedern und Werften aufzubauen. Die meisten Werften setzen daher bereits heutzutage auf ERP-Systeme als Unterstützung zur Angebotskalkulation.

IT-Infrastruktur und Sicherheit

Die Einstellung der Werften zu den Themen IT-Infrastruktur, Sicherheit und Datenhaltung weichen teilweise stark voneinander ab. Kleinere Werften sowie Reparatur- und Instandhaltungsbetriebe halten oftmals nur sehr kleine IT-Abteilungen mit IT-Fachpersonal und Datenschutzbeauftragten vor. Cloud-basierte Systeme werden nur von einigen genutzt. Einige Werften hingegen sehen die eigene IT-Sicherheit und den Datenschutz als eine der obersten Prioritäten im Unternehmen, da hier das gesammelte Know-how in punkto Konstruktion und Management liegt. Entsprechend dieser Einstellung wird größte Sorgfalt auf den Schutz vor lokaler Sabotage, Hackerangriffen oder Schadsoftware gelegt – beispielsweise durch die Sperrung sämtlicher USB-Anschlüsse von PCs sowie die Trennung zwischen externem Mailserver und internem Mailserver unter regelmäßiger Datensynchronisierung. Bemängelt wird derzeit insbesondere die fehlende Unterstützung zum Thema IT-Sicherheit und damit der fehlende Angriffsschutz seitens der Hersteller von Fertigungsmaschinen.

Die vorliegenden Studienergebnisse wurden vom OFFIS - Institut für Informatik erarbeitet. Sie basieren auf qualitativen Interviews mit Werften zwischen Ems und Elbe, die im Zeitraum März bis April 2018 geführt wurden.

Hier können Sie die komplette Studie abrufen.