Projekt DiDiER verbessert Beratungsqualität in der Ernährungsberatung

01.08.2016 Projekt

Dienstleistungen, die bislang vor allem in der direkten, auf Expertenwissen gestützten Interaktion zwischen Kunde und Dienstleister erbracht wurden, können durch den Einsatz von sensorgestützter IT erheblich verbessert werden und damit zu einem Quantensprung für Patienten (Beratungsqualität) und Berater (Effektivität und Effizienz) führen. Neue Technologien müssen aber gleichzeitig auch der Sorge der Bürger vor einem Datenmissbrauch Rechnung tragen. Dies gilt ganz besonders, wenn umfassende Bewegungs- und Ernährungsprofile erstellt werden. Selbst wenn dies zum Zweck der Gesundheitsvorsorge geschieht, wie im Beispiel der Ernährungsberatung für Risikopatienten.

Ziel des am 01.August 2016 startenden, vom BMBF geförderten Projekts DiDiER - Digitalisierte Dienstleistungen im Bereich der Ernährungsberatung von Personengruppen mit erhöhten gesundheitlichen Risiken bei Fehlernährung - ist es, die Beratungsqualität von Dienstleistern im Bereich der Ernährungsberatung erheblich zu verbessern, indem patienten- und dienstleistungsrelevante Informationen digital verfügbar gemacht werden. Durch diese Digitalisierung können sich Berater besser auf den einzelnen Patienten vorbereiten, da Daten früher und ohne subjektive Wahrnehmungsverzerrungen bereitstehen. Die Patienten ebenso wie die Berater profitieren durch den Zugriff auf externe Wissensbasen. Dieses Konzept wird konkret in zwei Anwendungsfällen realisiert: In der Ernährungsberatung bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten/-allergien sowie bei Vorliegen von Gebrechlichkeit bei geriatrischen Patienten. Zur Wahrung der informationellen Selbstbestimmung verbleiben die Daten dabei beim Patienten, welcher seinem Berater erlauben kann, Auswertungen der Daten mittels sogenannter „Smart Services“ durchzuführen.

Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Stärkung der informationellen Selbstbestimmung, die durch die Umkehrung des „klassischen“ Applikationsmodells angegangen werden soll: Anstatt die Daten an einen zentralen Verarbeitungsserver in der „Cloud“ zu liefern, dort zu verarbeiten und anschließend dem Kunden die durch Algorithmen gewonnenen Erkenntnisse zurückzuspielen, soll dieser Prozess umgekehrt werden. Die Daten verbleiben beim Kunden, die personalisierten Algorithmen – die Smart Services – kommen zu ihm und bearbeiten die Daten, ohne diese weitergeben zu können, in seiner persönlichen, speziell für Sicherheit entwickelten IT-Umgebung, seiner „Home Cloud“. Auf dieser Weise behält der Kunde die volle Kontrolle über seine Daten.

In dem von OFFIS koordinierten Projekt arbeiten das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI, Saarbrücken), die Hochschule Kaiserslautern, das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO, Saarbrücken), die Universitätsklinik für Geriatrie der Universität Oldenburg, die Firmen T-Systems International (Frankfurt/Main) und EU-ROKEY (Saarbrücken) sowie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB, Mönchengladbach) zusammen.