Forscher und Nutzer im Dialog

28.08.2007 Pressemitteilung

Europäisches Projekt „Hearing at Home“ führt zu Projektbeginn eine Nutzerstudie durch, um Ideen von Anwendern prüfen zu lassen.

 

Um herauszufinden, welche Nutzungsgewohnheiten schwerhörende Menschen in ihrem Wohnumfeld haben, wurde vom europäischen Projekt „Hearing at Home“ eine umfangreiche Befragung durchgeführt.

 

„Wir möchten keine Technik entwickeln, die in der Lebenswelt des schwerhörigen Menschen nicht benötigt wird“, erläutert Dr. Jens Appell, Koordinator des europäischen Verbundprojektes und Bereichsleiter am Oldenburger Institut OFFIS, den in der Forschung eher ungewöhnlichen Schritt, zu Beginn eines Forschungsvorhabens den Endkunden nach seinen Wünschen zu fragen.

 

Das in diesem Jahr gestartete europäische Projekt möchte im Zeitraum von drei Jahren eine vernetzte Heimelektronik entwickeln, um Informationsdefizite aufgrund eines reduzierten Hörvermögens auszugleichen.

 

Mithilfe einer Interviewstudie wurden zu Projektbeginn Hörgeräteträger und hörgeschädigte Personen ohne Hörgeräte im Alter von 50 bis 85 Jahren in den Niederlanden, Schweden und in Deutschland hinsichtlich ihrer Hörgewohnheiten in ihrer häuslichen Umgebung befragt. Dabei stand in einem ersten Studienabschnitt im Vordergrund, welche Rolle Informations- und Telekommunikationstechnologie in ihrem Leben spielt. „Ganz konkret haben wir alterstypische Nutzerprofile erstellt, wie häufig z.B. Fernsehen geguckt oder telefoniert wird und ob dies den Personen wegen ihrer Hörprobleme Schwierigkeiten bereitet“, erläutert Dr. Markus Meis vom Kompetenzzentrum HörTech, der die Studie in Deutschland koordinierte.

 

Im zweiten Studienabschnitt sollten die zentralen Ideen des „Hearing at Home“-Projektes spezifiziert und von der Zielgruppe konkretisiert werden. Besonders positiv wurde die Idee bewertet, dass das System Störgeräusche beim Fernsehen erkennen und automatisch reduzieren können soll, so dass Sprache besser verständlich wird. Weiterhin wurde ein Verfahren zur Lautstärkeabschwächung von Werbepausen von den Befragten begrüßt, die sich hiervon, wie vom weiteren Funktionsumfang, eine komfortable Hörumgebung zuhause versprechen. Auch Elemente einer Heim-Automatisierung, die eine verbesserte akustische Wahrnehmung von vernetzten Haushaltsgeräten und Warnsignalen (Herdplatte, Türklingel etc.) ermöglichen, würden aus Sicht der Befragten eine Erleichterung für hörgeschädigte Nutzer darstellen.

 

Die Entwickler sind nun vor die schwierige Aufgabe gestellt, ein System zu entwickeln, das nicht nur auf den spezifischen Hörverlust, sondern zusätzlich auf die individuellen Wünsche der Nutzer einstellbar ist. „Es zeigte sich in der Untersuchung, dass jeder andere Geräusche als störend wahrnimmt und somit eine Vielzahl von Optionen in einer Voreinstellung des Systems möglich sein müssen“, so Dr. Markus Meis.

 

Insgesamt lieferte die Studie die Grundlage für die technische Entwicklung des „Hearing at Home“-Systems. „Wir wissen nun, worauf die Nutzer besonderen Wert legen und werden diese Faktoren bei der Entwicklung berücksichtigen“, so Dr. Jens Appell.

Im weiteren Projektverlauf sind Prüfungen der Bedienbarkeit und der Benutzerfreundlichkeit des Systems geplant, denn gerade die Umsetzung von technischen Lösungen in Bedienkonzepte lässt sich erst beurteilen, wenn der Anwender verschiedene Optionen ausprobieren kann.

 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.hearing-at-home.eu. Auf Anfrage stellen wir Ihnen gerne auch ein Pressefoto zur Verfügung.

 

Ihr Ansprechpartner für redaktionelle Rückfragen:

Dr. rer. nat. Jens-E Appell