Die Energiewende weiterdenken – Oldenburger Symposium energy 2050 diskutiert fachübergreifend

19.05.2014 Pressemitteilung

Mit einem Plädoyer für einen langen Atem bei der Energiewende endete am Mittwoch, 14. Mai 2014, das 2. Oldenburger Symposium „energy 2050“ des Energieforschungsverbundes ENERiO (Energy Research in Oldenburg). Rund 120 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten zwei Tage lang überChancen, Optionen und Herausforderungen beim Umbau unseres Energiesystems. „Wir müssen langfristig denken. Daher haben wir den Zeithorizont bis ins Jahr 2050 gewählt“, sagte ENERiO-Vorstand Prof. Dr. Carsten Agert (Institutsleiter EWEForschungszentrum NEXT ENERGY) und hob den Wert der Tagung hervor: „Interdisziplinäre Gespräche wie diese sind wichtig, um Ideen über die eigene Kernkompetenz hinaus zu entwickeln.“

Hauptziel des Symposiums war es, die Energiewende fachübergreifend aus politischgesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technischer Perspektive zu betrachten. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass das Projekt nur gelingen kann, wenn gesellschaftliche Akzeptanz darüber herrscht. „Das überzeugendste Argument ist, die Kosten für die Kilowattstunde radikal zu senken und Ökostrom über Wettbewerb preisgünstiger für den Kunden anzubieten“, forderte Prof. Dr. Martin Faulstich (CUTEC-Institut, Clausthal Zellerfeld) während der abschließenden Podiumsdiskussion, bei der einige Thesen der zuvor gehörten Vorträge kontrovers debattiert wurden.

Neben Faulstich und Agert haben auch Dr. Jörg Hermsmeier (EWE Oldenburg, Leiter Forschung und Entwicklung), Prof. Dr. Albert Moser (RWTH Aachen) und Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge (ewi; Energiewirtschaftliches Institut Köln) an der kontrovers geführten Podiumsdiskussion teilgenommen. Moderator Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion, konfrontierte die Energieexperten mit erfrischenden Fragen: „Warum betreibt Deutschland eine ehrgeizige Energiewende, die in vielen Ländern derzeit rückwärts erfolgt“, wollte er mit Blick auf den steigenden CO2-Ausstoß weltweit wissen. Dabei traf er vor allem den Nerv von Bettzüge. Der Kölner Volkswirt übte harsche Kritik an der Förderungspraxis in Deutschland. Es handele sich bei der Stromumlage um einen 20 Milliarden Euro teuren politisch motivierten „Umverteilungsprozess“ und eine „Sondersteuer“ zu Lasten der Verbraucher, die nicht im Staatshaushalt auftauche. Bettzüge bezweifelte den volkswirtschaftlichen Nutzen der Energiewende nach deutschem Vorbild.

Auf dem Podium und im Plenum erntete Bettzüge mit seinen Positionen Widerspruch. Zahlreiche Redner rechneten die Wertschöpfung der neuen Technologien und die Folgekosten von Kohle- und Kernenergie dagegen. „Niemand wählt den Pfad der Erneuerbaren, weil sie so billig sind, sondern weil wir im Sinne des Klimaschutzes CO2 reduzieren müssen“, begründete Agert und verwies auf die demokratische Legitimation und die bisherigen Erfolge: „Strom aus Photovoltaik oderWind wird von einer Mehrheit gewollt und befindet sich dank der Förderung inzwischen in Preisregionen, die aus ihnen eine reale Option gemacht haben.“

Ähnlich sah es auch Prof. Dr. Klaus Töpfer in seinem Gastvortrag. „Es gibt Bereiche, die der Markt allein nicht bewältigen kann“, betonte der ehemalige Bundesumweltminister, Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sowie aktuelle Exekutivdirektor des Potsdamer „Institute for Advanced Sustainability Studies“ (IASS). Beim Empfang im Oldenburger Schloss sprach sich der 76-Jährige für einen ordnungspolitischen Rahmen aus. Zudem bestehe die ethische Verantwortung, einer auf rund neun Milliarden Menschen steigenden Weltbevölkerung im Jahr 2050 ausreichende, sichere und saubere Energie zur Verfügung zu stellen.

Darüber, dass eine grundlegende Reform der finanziellen Förderung Erneuerbarer Energien notwendig sei, bestand unter den Experten Konsens. Neben einer Senkung der Kosten seien zudem weitere technische Herausforderungen zu meistern. Dazu zählten vor allem der Netzausbau, eine effizientere Gebäudetechnik und die Erweiterung der Speicherkapazität. Für einen erfolgreichen Klimaschutz müssten wirksame Maßnahmen über Ländergrenzen hinaus greifen, fasste Angres die Diskussion zusammen: „Eine Energiewende allein in Deutschland reicht nicht aus.“

 

Rund 120 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft nahmen am 2. Oldenburger Symposium energy 2050 teil.

In der abschließenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Volker Angres (links) wurden viele Themen aus den Vorträgen aufgenommen und zum Teil kontrovers diskutiert.



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Über ENERiO

Die Energieforschung am Standort Oldenburg befasst sich in großer Breite mit dem Wandel im Energiesektor und sieht in ihm eine der zentralen Zukunftsaufgaben. Die Wurzeln dieses Forschungsgebietes reichen zurück bis ins Jahr 1981, als das „Energielabor“ auf dem Campus der Universität eröffnet wurde. Mittlerweile ist die Forschung und Entwicklung zur Energietechnologie am Standort Oldenburg mit Schwerpunkten in den Natur- und Technikwissenschaften, Informationstechnologie, Meteorologie und Ökonomie sehr breit aufgestellt. Diese anwendungsorientierten Aktivitäten sind an der Universität sowie in Instituten wie NEXT ENERGY, OFFIS und ForWind angesiedelt. Technologisch gesehen konzentrieren sich die Themengebiete in der Oldenburger Energieforschung vorrangig auf Energieversorgungs-Systeme der Zukunft, ergänzt durch Kompetenzen in den Bereichen Energieökonomie und Weiterbildung.

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