„PAALiativ“ erhält Niedersächsischen Gesundheitspreis

20.11.2013 Pressemitteilung

Oldenburger Projekt von OFFIS, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Institut für Palliative Care und weiteren Partnernwird in Hannover ausgezeichnet

Im feierlichen Rahmen des alten hannoverschen Rathauses wurde zum dritten Mal der Gesundheitspreis des Landes an drei verschiedene Projekte von insgesamt 88 Bewerbern verliehen. Der Preis ist jeweils mit 5.000 Euro dotiert und wurde gemeinsam vom Niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministerium, dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, der AOK Niedersachsen und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) ausgeschrieben.

„Der Gesundheitssektor ist ein Bereich, der sich stets weiterentwickelt. Besonders innovativen Ideen geben wir deshalb mit dem Niedersächsischen Gesundheitspreis eine Plattform. Sie sollen als Vorbilder wirken und andere zum Nachahmen anregen. Patientinnen und Patienten gewinnen ebenfalls, denn ihnen kommen die neuen Entwicklungen direkt zugute", unterstrich Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt die Bedeutung des Anlasses. Sie stellte auch den „Jobmotor“ der Gesundheitswirtschaft, der immerhin 450 000 Menschen in Niedersachsen einen Arbeitsplatz verschaffe, in den Fokus. Begeistert zeigte sie sich ebenfalls über die hohe Zahl der Einreichungen und die Resonanz des Gesundheitspreises.

Auszeichnungen wurden in drei Kategorien vergeben: „Menschen mit psychischen Erkrankungen besser versorgen“, „Gesundheit in kleinen und mittleren Unternehmen fördern“ sowie „eHealth – Lösungen zur Verbesserung der Kommunikationsketten in der Gesundheitsversorgung“. Das Projekt „PAALiativ“, das von der Johanniter-Unfall-Hilfe koordiniert wurde, für dessen technische Umsetzung das Informatikinstitut OFFIS und verantwortlich zeichnete, und dessen medizinsche Fragen vom ipac betreut wurden, gewann heute in der Kategorie „eHealth“. Der Name ist eine Verschmelzung der Begriffe palliativ und AAL: „Ambient Assisted Living“ steht für altersgerechte Assistenzsysteme in den eigenen vier Wänden und damit für ein selbstbestimmtes Leben durch innovative Technik. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung förderte das Projekt PAALiativ, das sich vorerst mit COPD- oder Lungenkrebs-Patienten, die sich in der Terminalphase des Lebens befinden, befasste.

In der praktischen Umsetzung bedeutet PAALiativ, dass mit einer Hauskommunikationsplattform nicht nur Patienten, sondern auch Angehörige und Pflegepersonal unterstützt werden. Da Menschen, die sich in ihrer letzten Lebensphase befinden, ein hohes Maß an Zuwendung benötigen, ist die Zusammenarbeit der Personen in ihrem direkten Umfeld ausschlaggebend und den Kommunikations- und Meldewegen kommt eine besondere Bedeutung zu. Beschwerden wie Atemnot oder Schmerzen von Palliativpatienten, die zu extremen Verunsicherungen führen können, werden frühzeitig über Sensoren erfasst. Sich anbahnende Krisen können so rechtzeitig erkannt und möglichst verhindert werden. Das  Monitoringsystem registriert auch geringfügige Veränderungen beim Patienten – zum Beispiel subjektive Daten wie Schlafqualität und Schmerzintensität. Durch einen zeitnahen Austausch von Informationen zwischen Notrufzentrale der Johanniter, Pflegepersonal und auch Angehörigen und durch entsprechend eingeleitete Hilfe können so unnötige und ungewollte Aufenthalte oder Einweisungen in Krankenhäuser oder Hospize vermieden werden. Für die Patienten entsteht eine Chance: Sie können in ihren letzten Lebensmomenten die ihnen noch verbleibende Zeit im gewohnten häuslichen Umfeld verbringen.

Daniela Behrens, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, betonte in ihrer Laudatio auf die Preisträger des Projektes „PAALiativ“: „IT kommt im Gesundheitswesen eine immer stärkere Bedeutung zu. Zukunftsweisende, vernetzte Systeme, die einen optimalen Daten- und Informationsfluss gewährleisten, sind daher für Patienten und Leistungserbringer unerlässlich. Niedersächsische Unternehmen aus der Informationstechnologie erbringen hier exzellente Leistungen und entwickeln gemeinsam mit der Wissenschaft und den Partnern aus der Gesundheitsversorgung neue IT-Lösungen. Daher haben wir uns in diesem Jahr gerne entschlossen, eHealth-Lösungen zur Verbesserung der Kommunikationsketten in der Gesundheitsversorgung zu prämieren".
Alexander Jüptner, Projektbeauftragter AAL und Hausnotrufexperte der Johanniter-Unfall-Hilfe im Landesverband Niedersachsen/Bremen der Johanniter-Unfall-Hilfe, freut sich: „Diese Auszeichnung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Zusammenwirken von Forschung, Pflege und unseren Dienstleistungen verbunden mit der richtigen Technik kann Menschen auch mit einer schweren Krankheit noch Lebensqualität verschaffen. Das ist ein schönes Gefühl und ich bin stolz, dass diese Idee heute gewürdigt wurde.“ Professor. Dr. Ing. Andreas Hein, OFFIS Vorstand und Wissenschaftlicher Leiter des Projektes, kann da nur zustimmen: „Wir freuen uns über den Preis und die damit verbundene Anerkennung unserer technischen Entwicklungsarbeit. Ermöglicht wurde uns dieser Schritt durch die sehr gute, interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Projektpartner."

An dem Projekt beteiligt waren neben OFFIS, den Johannitern und dem Oldenburger Institut für Palliative Care (ipac) das Palliativzentrum Oldenburg am Evangelischen Krankenhaus, das Pius-Hospital Oldenburg, die Disc-Vision GmbH, onkologische Praxen in Oldenburg und Westerstede sowie der Pflegedienst Ambulant.

Ansprechpartner für Rückfragen der Redaktion:

Jochen Meyer

Bereichsleiter Gesundheit

Mail: jochen.meyer(at)offis.de

Tel: 0441/9722-185

Weitere Informationen zum Projekt unter http://paaliativ.de/