NetzDatenStrom: Quelloffene Big Data-Lösungen standardkonform in existierende Netzleitsysteme integrieren

27.10.2016 Pressemitteilung

Kickoff-Teilnehmer des Projektes "NetzDatenStrom"

Projekt „NetzDatenStrom“ erarbeitet Lösungen für Management großer Datenmengen

Big Data hält Einzug in die Verteilnetze: Netzbetreiber nutzen in immer größerem Umfang Prognose-verfahren, um die heute weitgehend von dezentralen Energieerzeugungsanlagen geprägten Netze zu steuern. Steuerungs- und Messdaten für technische Anlagen sowie Energiemessdaten der Kunden erzeugen ein stetig wachsendes Datenvolumen. Für die Netzbetreiber entsteht die große Herausforderung, diese Daten effizient zu managen und dabei höchste Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Für größere Verteilnetzbetreiber wird die Energiewende die Situation sogar noch verschärfen, da sie zusätzliche Messwerte aus der Mittel- und Niederspannungsebene erforderlich macht. Das steigende Datenvolumen macht es zudem notwendig, schnell auf diese Daten zugreifen zu können, um Verarbeitungsschritte für den operativen Netzbetrieb daraus abzuleiten. Die Handhabung der Daten wird somit zunehmend zu einer Herausforderung.

In einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramms geförderten Projekt namens „NetzDatenStrom“ arbeiten Experten aus Forschung und Entwicklung, Hersteller von Netzleitstellensoftware, Netzbetreiber sowie auf Energiewirtschaft spezialisierte IT-Experten an einer Lösung. Das Projekt ist im Oktober 2016 gestartet und auf drei Jahre angelegt. Am Projekt „NetzDatenStrom“ ist ein Konsortium aus den Netzleitsystemherstellern PSI AG, KISTERS AG und BTC AG, dem Netzbetreiber EWE NETZ GmbH, den F&E-Partnern OFFIS – Institut für Informatik (Konsortialleiter) , Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie dem Institut für Multimediale und Interaktive Systeme der Universität zu Lübeck zusammen mit dem Konsortium deutscher Netzbetreiber „openKONSEQUENZ“ beteiligt.

Das Projekt „NetzDatenStrom“ wird untersuchen und erproben, wie die immens großen Datenmengen künftig effizienter verarbeitet und genutzt werden können. Dazu werden vorhandene Archiv- und Datenbanklösungen kommerzieller Leitsystemlösungen um eine Big-Data-Komponente erweitert, die große Datenmengen speichert und verarbeitet. Die Big-Data-Komponente wird durch ein System ergänzt, mit dem Mess- und Sensordaten in Echtzeit ausgewertet und (vor-)verarbeitet werden können. Die Erweiterung vorhandener Datenarchive um solche Big-Data-Lösungen schafft die Voraussetzungen dafür, die immer umfangreichere und steigende Menge an Mess-, Sensor- und Ereignisdaten reibungslos in die Netzbetriebsführung zu integrieren.

Dies lässt sich mit klassischen Datenbanktechnologien von kommerziell verfügbaren Leitsystemlösungen bislang nicht oder nur stark eingeschränkt realisieren. In der Netzführung sind Systeme mit einem solchen Leistungsumfang bisher weitgehend unbekannt. Das Ergänzen der Leitsysteme durch
echtzeitfähige Datenstromtechnologien wird es ermöglichen, auf Basis der im Leitsystem ankommenden Datenmengen neuartige Verfahren für automatisiertes Netz-Monitoring und Betriebsführung für Netzbetreiber zu erproben.

Das Zusammenspiel von existierenden und neuen Systemen hat dabei eine zentrale Bedeutung. Hier werden Chancen und Vorteile eines standardisierten Referenzarchitekturkonzeptes für Netzleitsysteme durch die modulare Entwicklung von flexiblen und konsortial entwickelten, quelloffenen Komponenten und deren Kopplung an kommerzielle, geschlossene Leitsysteme erforscht und exemplarisch demonstriert. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der Gebrauchstauglichkeit von Benutzungsschnittstellen für das Leitwarten- und Servicepersonal liegen.

Darüber hinaus soll im Projekt untersucht werden, wie sich Open-Source-Governance-Prozesse zur Qualitätssicherung einer quelloffenen Referenzarchitektur sowie der entwickelten Open-Source-Module für sicherheitskritische Anwendungen übertragen lassen und wie Verwertungsmodelle für konsortial entwickelte Leitsystemkomponenten aussehen können. Als Initiator von NetzDatenStrom erwartet openKONSEQUENZ wichtige Beiträge zur modularen openKONSEQUENZ-Plattform.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff
OFFIS - Institut für Informatik, Escherweg 2 - 26121 Oldenburg - Germany
Tel: +49 441 9722-240
Email: sebastian.lehnhoff(at)offis.de