Das Gelände am Escherweg war früher einmal ein klassisches innerstädtisches Industriegebiet. Hier produzierten unter anderem die Alte Oldenburger Fleischwarenfabrik Bölts und die Bavaria St. Pauli Brauerei. Als Ende der 80er Jahre hier die industrielle Produktion eingestellt wurde, lag das Gelände zunächst brach. Seitens der Stadt wurde dann beschlossen, das ehemalige Industriegebiet zu einem Dienstleistungs- und Forschungszentrum zu entwickeln.

Die ersten Schritte auf diesem Weg waren zu Beginn der 90er Jahre die Umnutzung einiger Fabrikgebäude der alten Fleiwa für Teile der Stadtverwaltung, die Ansiedlung eines Planungsbüros und der Neubau des Institutsgebäudes von OFFIS. Die Suche nach weiteren Nutzern gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet - die weitere Entwicklung geriet ins Stocken. Es konnten zwar noch eine Religionsgemeinschaft und ein Versicherungsmakler angesiedelt werden, damit wich aber die Nutzung vom ursprünglichen Ziel ab. Mitte der neunziger Jahre sah es dann zunächst so aus, als müsste das Projekt "Dienstleistungs- und Forschungszentrum" ad acta gelegt werden.
Dies änderte sich, als der damalige OFFIS Geschäftsführer 1999 ein mit dem OFFIS-Vorstand abgestimmtes Entwicklungkonzept für das Areal vorlegte, mit dem das aufgegriffen und akzentuiert wurde, was schon als Nukleus vorhanden war und für die Zukunft eine hohe Wertschöpfung versprach: Das bisher recht breit angedachte Dienstleistungs- und Forschungszentrum sollte schwerpunktmäßig ein IT-Zentrum werden. Das Informatikinstitut OFFIS sollte dabei als Nukleus eine Magnetwirkung für die Ansiedlung weiterer IT-bezogener Unternehmen und Institutionen entfalten. Denn nur Unternehmen und Institutionen, deren Arbeitsfeld moderne Informations- und Kommunikationstechnologien sind, so die Ausgangsthese des Konzepts, könnten dazu beitragen, die Wirtschaftsstruktur der Stadt zu erneuern und für die Zukunft zu rüsten. Die Clusterbildung von IT-Unternehmen und IT-Wissenschaft auf einem zusammenhängenden Gelände würde Synergieeffekte zur Folge haben: Anwendungsorientierte Forscher und Entwickler aus OFFIS, deren Ausgründungen und bestehende IT-Unternehmen könnten durch die räumliche Nähe positiv stimuliert werden und gemeinsam zum Nutzen der Region Projekte in Gang bringen. Dieses Konzept ist inzwischen voll aufgegangen.
An der Industriestraße 9 und 11 entstanden zunächst zwei große Bürokomplexe, die von IT-Unternehmen genutzt werden. OFFIS selbst brauchte wegen seines Wachstums einen Erweiterungsbau, der im April 2003 fertiggestellt und bezogen worden ist. Wenige Wochen später konnte gegenüber von OFFIS am Escherweg 3-4 ein weiterer großer, dreistöckiger Bürokomplex mit 5.000 qm Fläche für rund 250 Arbeitsplätze bezogen werden. Nutzer sind die BTC AG (die IT-Tochter der EWE Aktiengesellschaft) und Mitarbeiter der EWE-Abteilung "Strategische IT". Aber auch hier reichten die Räume nur für kurze Zeit. Ende des Jahres 2006 wurde ein weiteres Gebäude mit Durchgang zum Escherweg 3-4 für die BTC AG gebaut. Weitere 6.200 qm sind so für hochqualifiziertes IT Personal entstanden. Bis Ende 2009 wird der 3. Gebäudekomplex der BTC AG fertiggestellt sein.
Als nachhaltiger Beitrag zum Titelgewinn "Stadt der Wissenschaft 2009" wird ein lang gehegter Traum im IT-Quartier wahr: Unmittelbar vor dem OFFIS Gebäude wird der denkmalgeschützte alte Wasserturm mit seinen angeschlossenen Industriehallen einer aufwändigen Renovierung unterzogen und als Restaurant und Veranstaltungszentrum zum Jahreswechsel 2009/2010 einer neuen, nachhaltigen Nutzung zugeführt.
Inzwischen haben sich rund um den Nukleus OFFIS 13 Unternehmen angesiedelt. Im IT-Quartier arbeiten jetzt schon über 1.000 Menschen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen: Im IT-Quartier entstand ein neuer Stadtteil welcher kontinuierlich weiterentwickelt wird, der auch baulich und infrastrukturell einen Bogen schlägt von der alten Industriebrache zu einem zukunftsorientierten Cluster von IT-Akteuren, die die Stadt und die Region weiter nach vorne bringen werden.