Der vom Land Niedersachsen finanzierte Forschungsverbund "Gestaltung altersgerechter Lebenswelten" (GAL) ist ein interdisziplinär angelegtes Forschungsprojekt zu „Ambient Assisted Living“, d. h. IT-basierten, altersgerechten Assistenzsystemen für ein gesundes und unabhängiges Leben, an dem Forscher aus den Bereichen Geriatrie, Gerontologie, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Pflegewissenschaften und Rehabilitationspädagogik beteiligt sind.
Anhand vom vier konkreten Anwendungsszenarien werden exemplarisch assistierende Technologien zur Gestaltung altersgerechter Lebenswelten entwickelt. Diese Szenarien richten sich an unterschiedliche Gruppen von Anwendern in Bezug auf Alter, Bedarfen und Krankheitsbildern:
• Ein in die häusliche Umgebung integrierter „Persönlicher Aktivitäts- und Haushaltsassistent“ erinnert an Termine und sportliche Aktivitäten und gibt Empfehlungen zu Tätigkeiten in der Wohnung - wenn der Bewohner etwa die Wohnung verlassen möchte, aber noch Fenster offenstehen. Ein besonderer Schwerpunkt ist hier eine einfache, intuitive Verständlichkeit und Bedienbarkeit des Systems.
• Das Szenario „Monitoring und Prävention im Reha-Sport“ richtet sich an Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen, denen die Möglichkeit eines ärztlich betreuten und telematisch überwachten Heimtrainings angeboten wird. Vitalparameter wie EKG oder Atemfrequenz werden während des Trainings kontinuierlich überwacht: Wenn die Werte individuell vorgegebene Grenzen überschreiten, kann das System eingreifen und etwa beim Fahrradergometer die Belastung reduzieren.
• Ziel der „Sensorgestützten Aktivitätsbestimmung“ ist eine automatische und kontinuierliche Erfassung der Aktivitäten eines Bewohners in seiner Wohnung mit dem Ziel, den Bewohner vor gefährlichen Handlungen zu warnen (z. B. vergessenes Abschalten von Geräten) und Angehörige, Pflegedienste und Ärzte dabei zu helfen, Unterstützungs- und Pflegemaßnahmen in der gewohnten heimischen Umgebung bedarfsgerecht anzubieten (z. B. Hilfe beim Anziehen oder der Essenszubereitung, wenn diese Aktivitäten langsamer durchgeführt bzw. nicht mehr selbst bewältigt werden).
• Der Sturz ist eine der häufigsten Ursachen für die Einschränkung der Unabhängigkeit älterer Menschen. Ziel der „Sensorbasierten Sturzprävention und –erkennung“ ist daher zum einen, bei Stürzen in der eigenen Wohnung zuverlässig einen Notruf abzusetzen (auch etwa bei Bewusstlosigkeit des Gestürzten), und zum anderen, die Sturzgefährdung eines Bewohners kontinuierlich zu erfassen, so dass bei Bedarf präventiv eingegriffen werden kann, bevor es zum Sturz kommt.
Die im Rahmen dieser Szenarien realisierten Lösungen werden hinsichtlich ihrer Handhabbarkeit und Wirksamkeit ausgewertet und in Bezug auf ihre ökonomischen Wirkungen und die Akzeptanz in der breiteren Bevölkerung sowie weiterer Verbesserungsmöglichkeiten und neuer Anwendungsfelder eingeschätzt. Allen Anwendungsszenarien liegt dabei eine gemeinsame technische Basis zugrunde, die als Garant für die Übertragbarkeit der technischen Bausteine auch auf andere Anwendungsszenarien mit ähnlichen Anforderungen dient und bei deren Entwicklung die Nachrüstbarkeit in bestehenden Wohnungen einen Schwerpunkt darstellt.
01.10.2008
28.09.2013